"Sprache ist der Schlüssel zur Integration": Neue Koordinatorin in Sportsfield Housing

„Sprache ist der Schlüssel zur Integration“, sagt Stadtrat Axel Weiss-Thiel. Deshalb lege die Stadt Hanau sehr viel Wert darauf, dass die Flüchtlinge schnell Zugang zu entsprechenden Deutsch-Kursen bekommen. Federführend auf diesem Gebiet ist die Volkshochschule (VHS) Hanau. Deren Leiterin Elke Hohmann freut sich, dass in der Gemeinschaftsunterkunft Sportsfield Housing nun eine zentrale Ansprechpartnerin zur Verfügung steht: Kimberly Saal hat vor wenigen Tagen ihr Büro im Koordinationsbüro für Flüchtlinge bezogen und fungiert dort nun als Sprachkoordinatorin für Flüchtlinge und Asylbewerber der VHS Hanau.

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„Ich freue mich sehr auf diese spannende Aufgabe“, sagt die 23-Jährige, die vorher im Eigenbetrieb Kita tätig war. Kernaufgabe von Kimberly Saal ist es, dass die auf Sportsfield Housing ankommenden Flüchtlinge rasch in einen Deutsch-Kurs kommen – und dass sie nicht erst darauf warten müssen, bis sie die Genehmigung bekommen, an den offiziellen Integrationskursen teilzunehmen. Das kann – abhängig von Bleibeperspektive und Fortgang des Asylverfahrens – nämlich durchaus einige Monate dauern. „Wir sehen uns als Stadt in der Verantwortung, dass diese Wartezeit nicht ungenutzt verstreicht“, erklärt Weiss-Thiel.
Rund 100 ehrenamtliche Sprachlotsen hat die Stadt in den zurückliegenden Monaten ausgebildet. Mit ihrer Hilfe werden in Regie der VHS derzeit rund 20 Deutschkurse angeboten. Etwa 400 Flüchtlinge lernen auf diesem Weg zweimal pro Woche Deutsch. „Es stehen aber noch etliche Personen auf unserer Warteliste“, beschreibt Saal die Situation, „wir würden uns deshalb sehr freuen, wenn sich noch mehr Menschen melden, die Lust haben, ehrenamtliche Sprachkurse zu geben.“ Sprachlotse kann prinzipiell jeder werden, der für den ehrenamtlichen Einsatz bereit ist. Vorkenntnisse im Unterrichten von Sprachen sind nicht erforderlich. Das notwendige Rüstzeug erhalten die Sprachlotsen in speziellen Schulungen, die von Referentin Erika Scheider bei der VHS durchgeführt werden.
Die fortlaufenden Ehrenamts-Kurse dienen als vorbereitende Maßnahme auf die offiziellen Integrationskurse. „Die Flüchtlinge erhalten aus den ehrenamtlichen Kursen heraus zwar kein Zertifikat, starten aber idealerweise mit einem besseren Sprachniveau in die Integrationskurse“, erläutert Saal. Schon wenige Tage nach der Ankunft auf Sportsfield Housing bittet sie die Neuankömmlinge zur Sprachstandserhebung. Mit einem kleinen Test wird eruiert, welche sprachlichen Fähigkeiten die Flüchtlinge mitbringen, um sie in den richtigen Kurs einteilen zu können. Drei verschiedene Leistungsniveaus werden in den ehrenamtlichen Kursen derzeit angeboten. Diese finden unter anderem im Bürgerhaus in Wolfgang oder in der Paul-Gerhardt-Schule statt. Zweimal pro Woche werden Flüchtlinge dort für jeweils eineinhalb Stunden unterrichtet. Entsprechend der jeweils vorhandenen Vorkenntnisse helfen die Sprachlotsen den Flüchtlingen Sprachkompetenzen in Alltagssituationen zu erlernen: Themen sind unter anderem Einkaufen, Arzttermine, Orientierung in der Stadt und Freizeitangebote.
Es gibt ein ganzes Bündel an Maßnahmen, das die Sprachkompetenz der Flüchtlinge fördern soll. Neben den Ehrenamtskursen werden von der VHS in Kooperation mit Partnern wie dem Kommunalen Center für Arbeit (KCA) und den Beruflichen Schulen in Hanau weitere Sprach- aber auch Berufsorientierungskurse angeboten und sinnfällig miteinander verbunden. Grundsätzlich orientiert sich die Vermittlung der deutschen Sprache an einer „idealtypischen Sprachförderkette für Flüchtlinge“, die in einem Drei-Phasen-Modell die sprachliche, aber auch die soziale und berufliche Integration von Flüchtlingen vorsieht. In der ersten Phase erwerben Flüchtlinge das Sprachniveau „bis zu A1“, ein Angebot, das für alle offiziellen Asylbewerber bereitsteht. Die zweite Phase für „Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive“ geht über die sprachliche Erstorientierung hinaus und bietet Integrationskurse – auch für spezielle Zielgruppen, wie zum Beispiel Jugendliche oder Frauen. Mit Eintritt in die Phase drei werden für Asylbewerber mit Aufenthaltserlaubnis oder anerkannte Flüchtlinge mithilfe von Berufsförderkursen die Zugänge zum Arbeitsmarkt geebnet.
Die VHS und das städtische Koordinationsbüro für Flüchtlinge arbeiten intensiv daran, dass alle Maßnahmen bestmöglich aufeinander abgestimmt werden und dass ein Rädchen ins andere greift. Auch die Initiative HESSENCAMPUS Hanau sitzt mit im Boot. Die Beratungsstelle in Hanau unterstützt als Netzwerkknoten die Bildungsberatung für Flüchtlinge und vermittelt zwischen den regionalen Regelsystemen in unterschiedlichen Handlungsfeldern. „HESSENCAMPUS ist der innovative Weg zu mehr Bildung für Erwachsene aller Altersstufen und ein dauerhafter Verbund für alles, was Erwachsene an Bildung brauchen: allgemeine und berufliche Bildung, das Nachholen von Schulabschlüssen, Wissen und Fähigkeiten für soziale, kulturelle und politische Teilhabe und für die eigene Lebensgestaltung“, umreißt Clemens Mück von der HESSENCAMPUS-Beratungsstelle im Kulturforum Hanau. „Lebenslanges Lernen ist in der heutigen Gesellschaft ein ganz wesentliches Mittel, um gesellschaftliche Teilhabe, sozialen Zusammenhalt und die Beschäftigung weiterzuentwickeln. Wir betrachten Bildung als Prozess und als Lebensbedürfnis“, so Mück.
Wer Interesse hat, Flüchtlingen als Sprachlotse die deutsche Sprache näher zu bringen, kann sich auf der neuen städtischen Homepage www.hanau-engagiert.de informieren und registrieren. Für telefonische Auskünfte steht das Koordinationsbüro für Flüchtlinge der Stadt Hanau unter 06181/295-1944 zu Verfügung. Die Bildungsberatungsstelle von HESSENCAMPUS im Kulturforum Hanau am Freiheitsplatz ist mittwochs von 15 bis 19 Uhr sowie samstags von 11 bis 18 Uhr besetzt.