Gemeinsam einen Garten in Steinheim gestaltet

Gärten dienen der Entspannung und zeigen, wo unsere Lebensgrundlagen herkommen. Deshalb ist es naheliegend, an etwas unwirtlichen Orten wie Gemeinschaftswohneinrichtungen für Flüchtlinge und Obdachlose solche Plätze zu schaffen. Die Ökumenische Flüchtlingshilfe in Steinheim hat jetzt gemeinsam mit Flüchtlingen einen kleinen Garten an der Ludwigstraße hergerichtet.

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Als Ort der Entspannung und gemeinsamen Tuns hatte im vergangenen Jahr eine Gruppe von Mitgliedern der Ökumenischen Flüchtlingshilfe Steinheim den Garten eines verstorbenen Mieters des Hauses Ludwigstraße 60 wieder in Betrieb genommen. Im Haus wohnen Asyl-suchende aus verschiedenen Ländern und Obdachlose dicht zusammen. Der Garten sollte zu Aktivitäten anregen und diese durch Ernten von Früchten und Gemüsen belohnen, aber auch ein Ort des friedlichen Zusammenseins für alle Bewohner des Hauses und auch Unterstützer werden.

Natürlich wurden die vorhandenen Pflanzbehälter benutzt, denn Spendengelder für diesen Zweck gab es nicht. Unterstützer und Flüchtlinge setzten ihre Arbeitskraft, ihre Arbeitsgeräte und ihre Fantasie ein, um aus dem Vorhandenen etwas Schönes zu machen. Das gelang dann auch und führte dazu, dass im letzten Sommer ziemlich spontan ein gemeinsames Hof-fest mit Geflüchteten und Unterstützern gefeiert wurde. Regelmäßige Pflege, sei es durch Gießen der Nutz- und Zierpflanzen als auch jäten von zu viel unerwünschtem Beikraut, ließ Früchte gedeihen und die Ernte heranwachsen. Im Sommer und an warmen Herbsttagen fand das wöchentliche, regelmäßige Treffen von Betreuern und Geflüchteten im Garten statt.

Bei der Versammlung der Ökumenischen Flüchtlingshilfe im April dieses Jahres wurde be-schlossen, dass interessierte Aktive und Bewohner des Hauses den Garten wieder besähen und bepflanzen wollten. So geschah es dann auch im Mai nach den kalten Tagen; die vor-handenen Behälter wurden gejätet und Samen ausgebracht. Andere Behälter wurden für Pflanzungen vorbereitet.

Nun wissen wir alle, dass das Gartenwetter in diesem Jahr es mit den Gärtnern nicht so gut meint, jedoch dem sprießenden Kraut, ob schön oder unschön, erwünscht oder unerwünscht, in unseren Gärten beste Wachstumsbedingungen bietet. Das passierte auch in besagtem Garten. Jeder kann – besser gesagt: viele können - sicher auch nachvollziehen, dass nicht in jeder Regenpause ein Gartenbetreuer dort hineilt, um für ein besseres Aussehen des Gartens für Augen der Bewohner der Anlage und der oberen Etagen der Nachbarhäuser zu sorgen. Jemand anders hat sowieso keinen Einblick in dieses Grundstück. Es mag sein, dass der Garten für den einen oder anderen Besucher oder Von-oben-Gucker nicht besonders gepflegt und einladend erschien. Das mag der Grund gewesen sein, dass an einem Freitag Ende Mai - wie gesagt: es war schon gesät und für die Pflanzung vorbereitet - die Besitzerin des Anwesens, die Baugesellschaft Hanau, mit zwei LKW und entsprechender Mannschaft zum Aufräumen anrückte und den größten Teil der zugegebenermaßen maroden Pflanzgefäße abräumen und abfahren ließ.

Umgehend schalteten sich Aktive der Ökumenischen Flüchtlingshilfe Steinheim ein und ver-handelten mit der Eigentümerin, die daraufhin neue Pflanzkübel und Gartenerde zur Verfü-gung stellte. Nun wurde die Lieferung im Beisein von Baugesellschafts-Geschäftsführer Jens Gottwald und Pfarrerin Heike Zick-Kuchinke an die Bewohner und die Ökumenische Flücht-lingshilfe Steinheim übergeben. Anlässlich dieser Übergabe wurde vereinbart, dass sich Be-wohner und Unterstützer bei Schäden oder Problemen am Haus oder den Außenanlagen direkt mit der Baugesellschaft Hanau in Verbindung setzen können, um so eine zeitnahe, unkomplizierte Behebung der Probleme zu ermöglichen.

Um keine weitere Wachstumszeit zu verlieren, machten sich Unterstützer und Flüchtlinge direkt daran, den Gartenbereich zu reinigen, die neuen Pflanzkübel aufzustellen, mit der ge-lieferten Gartenerde zu befüllen und anschließend mit jungen Zucchini-, Tomaten- und Pap-rikapflanzen zu bestücken. Einige Kübel wurden auch für eine neue Aussaat von Salat und Spinat genutzt.

Die Aktion fand zu einer Zeit statt, an der regelmäßig Vertreter der Ökumenischen Flücht-lingshilfe Steinheim für zwei Stunden vor Ort sind, um Bewohner zu treffen und anstehende Fragen und Probleme zu diskutieren, aufzunehmen und an entsprechende Stellen weiterzu-geben. In der Sommerzeit wird diese Gelegenheit auch zu entspannenden Gartenarbeiten genutzt. Es war eine anregende und befriedigende Aktion, die den Beteiligten Spaß machte, zumal nach angemessener Zeit frische Erdbeeren und kühles Wasser zur Erfrischung her-beigebracht wurden.

Der neue Zustand des Gartens dürfte jetzt auch diejenigen erfreuen, die Wert auf „gepflegtes“ Gartengrundstück legen, ob es nun das eigene sei oder das des Nachbarn. Es wäre schön, wenn sich noch Spender für einen Gartentisch und ein paar stabile Stühle fänden, damit neben dem praktischen Nutzen auch noch mehr Entspannung in der warmen Jahreszeit in dieses Areal einziehen könnte.