Erfolgreicher Alphabetisierungskurs in Steinheim wird fortgesetzt

Im März 2016 startete der Alphabetisierungskurs für geflüchtete Menschen mit der Sprachlotsin Silvia Kleinschmidt und der Grundschullehrerin Renate Schwalenberg-Leister. Der Kurs der Ökumenischen Flüchtlingshilfe Steinheim fand zweimal wöchentlich im Generationenzentrum Steinheim statt. Der Sprachkurs richtete sich an Menschen, die in ihrem Herkunftsland gar nicht beziehungsweise sehr wenig zur Schule gegangen sind oder noch nie eine westliche Schrift gelernt haben. Ziel war es, geflüchteten Menschen wohnortnah Gelegenheit zum Spracherwerb zu geben.

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Die Teilnehmer wohnen in Steinheim, Klein-Auheim, Hanau-Innenstadt und Wolfgang. Sie sind seit dem letzten Herbst in Deutschland und waren beim Sprachkursstart noch sogenannte „Nullsprachler“. Eine spannende Frage: Wie geht das überhaupt, Alphabetisierungsunterricht mit „Nullsprachlern“ aus verschiedenen Herkunftsländern wie Afghanistan, Syrien, Eritrea, Somalia, Rumänien, Pakistan? Die Praxis hat gezeigt: Es geht! Es geht mit Bildern, Händen und Füßen, engagierten Schülern, mit Kreativität und Geduld. Es geht Schritt für Schritt!
Den „harten Kern“ des Sprachkurses bildeten Flüchtlings-Ehepaare, die gemeinsam den Alphabetisierungskurs bewältigten. Es wurde klar, dass geflüchtete Frauen und Mütter auch die Chance zum deutschen Spracherwerb haben müssen. Die Frauen und Ehepaare hatten die Möglichkeit, ihre Kleinkinder und Babys zum Unterricht mitzubringen. Für die Schulkinderbetreuung dienstagsnachmittags fanden sich verschiedene Menschen, die völlig unkompliziert die Kids beschäftigten.
Im Laufe der Zeit veränderte sich die Zusammensetzung der Gruppe leicht, weil Flüchtlinge dazu kamen, die bereits über Sprach- und Schriftkenntnisse verfügten und für die der Alphabetisierungskurs eigentlich viel zu leicht war. In Ermangelung von anderen weiterführenden Sprachkursangeboten baten sie um Teilnahmemöglichkeiten und dockten sich an. Da passte es richtig gut, dass weitere Lehrkräfte dienstags mitarbeiteten und so ein differenziertes Unterrichtsangebot auf unterschiedlichem Niveau gemacht werden konnte (Christiane Morell-Rother, Reiner Höhl).
Verschiedene Unterrichtsangebote waren auch nötig, weil das Altersspektrum im Sprachkurs sehr breit war und die Menschen unterschiedlich schnell lernten. Die jüngste Teilnehmerin, ein eritreisches Mädchen, war bei ihrem ersten Besuch fünf Wochen alt. Die älteste Teilnehmerin ist eine afghanische Großmutter von mittlerweile 66 Jahren.
Nun fand die letzte Unterrichtseinheit des Alphabetisierungskurses statt. In der Urkunde, die jeder Teilnehmer erhielt, stand folgender Text: „Sie/Er kennt alle Groß- und Klein-Buchstaben des ABCs. Sie/Er kann diese in Druckbuchstaben schreiben und Wörter und einfache Sätze erlesen.“ Allen Sprachbarrieren zum Trotz entwickelte sich nebenbei ein reger Austausch untereinander. Vor und nach dem Sprachkurs konnten viele Fragen des Alltags in Ruhe geklärt werden. Zudem erhielten geflüchtete Menschen Informationen, was es so gibt im Ortsteil Steinheim, so zum Beispiel das Begegnungs-Café Welcome mittwochs von 15 bis 17 Uhr im Jugendheim St. Nikolaus in der Karlstraße 49.
Die Schüler des Alphabetisierungskurses waren engagiert und haben tolle Fortschritte gemacht. Fast alle haben sich für den nächsten Einsteigerkurs mit dem neuen Kursbuch angemeldet. Sie freuen sich darauf, wenn es zu den gewohnten Zeiten weitergeht. Die Vorbereitungen im erweiterten Team (mittlerweile fünf Lehrerinnen) haben begonnen.