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Hanauer Projekte präsentieren sich bei „Löwen im Herz. Hessen integriert“

"Unter Nachbarn – was verbindet uns?" Unter diesem Motto hatte das Hessische Sozialministerium am Donnerstag zum Bürgerforum nach Offenbach eingeladen. Im Rahmen der Kampagne "Löwen im Herz. Hessen integriert." wurden verschiedene Maßnahmen zur Integration vorgestellt und diskutiert. Auch aus Hanau wurden zwei Konzepte präsentiert: das bereits etablierte Patenschafts-Projekt des Seniorenbüros und das neue Integrationsbüro für Kinder und Jugendliche, das im September geöffnet wurde und innerhalb kürzester Zeit zu einem wichtigen Baustein der Integrationskette der Stadt geworden ist.

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"Wir sind sehr zufrieden, wie das neue Angebot angenommen wird", zieht der zuständige Bürgermeister Axel Weiss-Thiel eine erste Zwischenbilanz. Fast 100 Kinder und Jugendliche konnten in den zurückliegenden Wochen an Vereine vermittelt werden. "Und dort beginnt für uns die Integration, die Teilhabe an der Gesellschaft. Die Vereine leisten auf diesem Gebiet schon seit Jahrzehnten herausragende Arbeit", so Weiss-Thiel. Mit dem neuen Integrationsbüro verfolgt die Stadt vor allem ein Ziel: die Barrieren zwischen Angebot und Nachfrage abzubauen. Denn neben den sprachlichen Hürden seien auch organisatorische Hindernisse zu überwinden – zum Beispiel der Transport zu den Trainingseinheiten oder die regelmäßige Teilnahme, berichtet der für das Integrationsbüro zuständige Andreas Jäger. "Die meisten Herausforderungen haben aber gar nichts mit dem Migrationshintergrund der Kinder zu tun, sondern sind für die Altersgruppe ganz normal", sagt Jäger. Zweimal die Woche ist Jäger, der im Rahmen des Landesprogramms WIR als sogenannter Fallmanager agiert, mit seinem Team im Einsatz: Montags findet die Sprechstunde von 16.30 bis 18 Uhr im Kulturforum statt, mittwochs von 13 bis 15 Uhr in der städtischen Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge auf Sportsfield Housing. Unterstützt wird Jäger dabei von einer Gruppe ehrenamtlicher Helfer, die nicht nur in der Sprechstunde dabei sind, sondern auch die unmittelbare Vermittlung zwischen Verein und den Kindern übernehmen. "Wir begleiten die Gruppen zu den ersten Trainingseinheiten, versuchen den Transport zu organisieren und das gegenseitige Kennenlernen zu erleichtern", berichtet Dr. Karl-Heinz Leister, der sich seit mehr als zwei Jahren ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit engagiert. Leister ist einer der von der Stadt in den vergangenen Jahren ausgebildeten offiziellen Integrationslotsen. Er kennt die Probleme, mit denen Migranten bei der Eingewöhnung in das neue Lebensumfeld zu kämpfen haben. "Gemeinsam mit einheimischen Kindern Sport zu treiben und die Freizeit sinnvoll zu gestalten, ist ein ganz wichtiger Baustein der Integration", meint Leister. Der Steinheimer war gemeinsam mit seinen Mitstreitern eng eingebunden in die Entwicklung des neuen Angebots, denn die Integrationslotsen hatten in internen Workshops selber festgestellt, dass ihre Arbeit neu ausgerichtet werden müsse. "Wir haben gemerkt, dass sich die Aufgabenstellung verändert hat – weg von Willkommenheißen und Erstorientierung hin zu nachhaltigen Angeboten", so Leister. Nachhaltigkeit ist in diesem Zusammenhang sowohl für Leister als auch für Jäger ein besonders wichtiger Begriff. "Wir wollen keine Einmalaktionen, sondern eine dauerhafte Teilnahme an den Angeboten erreichen", berichtet der WIR-Fallmanager. Das helfe letztlich auch den Vereinen, die vielerorts über Nachwuchssorgen klagten. Die Zusammenarbeit mit den Clubs verlaufe hervorragend. Ob Fußball, Gardetanz, Kampfsport oder Singen – die Liste der Angebote für die Kernzielgruppe der Sechs- bis Zwölfjährigen sei lang. Um noch mehr Kindern die Möglichkeit geben zu können, davon zu profitieren, werden weitere ehrenamtliche Kräfte gesucht. "Wir suchen vor allem Menschen, die bereit sind, die Kinder zu den Einheiten zu begleiten", sagt Jäger. Der fehlende Pkw beziehungsweise Führerschein in der Familie sei nämlich eines der Haupthindernisse, warum die Kinder insbesondere in der dunklen Jahreszeit nicht regelmäßig zum Training kommen könnten. "Es wäre schade, wenn es daran scheitern würde, denn die Kinder sind mit großem Enthusiasmus dabei – das melden fast alle Vereine zurück", berichtet Leister. Das Angebot soll in den kommenden Monaten auch ausgeweitet werden – insbesondere mit Blick auf die Altersgruppe. "Wir möchten gerne auch Jugendliche stärker einbeziehen", sagt Jäger. Geplant seien gemeinsame Ausflüge in Museen, der Besuch einer Sitzung des Hessischen Landtags oder allgemeine gesellschaftspolitische Workshops, die zielgruppengerecht die deutschen Grundwerte vermittelten. "Auch für diese neuen Tätigkeitsfelder benötigen wir weitere Helfer", wirbt Leister um Unterstützung. Interessierte, die sich in dem Projekt engagieren möchten, können sich im Koordinationsbüro für Flüchtlinge unter 06181/295-1944 oder per E-Mail an hanauengagiert@hanau.de melden. Dort gibt es auch Informationen über Schulungen und andere Formen der Mitarbeit in der Flüchtlingshilfe.