Johanniter-Bundesvorstand würdigt Flüchtlingsarbeit in Hanau - Werkräume eingeweiht

„Sie leisten hier großartige Arbeit.“ Mit diesen Worten hat der Bundesvorstand der Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH), Jörg Lüssem, das Engagement des Regionalverbands Hanau & Main-Kinzig in der Flüchtlingsarbeit gewürdigt. Lüssem besichtigte zusammen mit Landesvorstand Peter Kaimer, dem Flüchtlingsbeauftragten des Landesverbandes, Dr. Karsten Falk, sowie den Regionalvorständen Sven Holzschuh und Karl-Friedrich von Knorre die Hessische Erstaufnahmeeinrichtung Hanau, in der die Johanniter seit gut zwei Jahren als Dienstleister für das Regierungspräsidium Gießen die Betreuung der Geflüchteten übernehmen. Lüssems Besuch fiel zusammen mit der Eröffnung neuer Werkräume, in denen die Schutzsuchenden nun auch handwerkliche Kompetenzen erlernen und weiterentwickeln können.

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„Der Standort Hanau ist eine Vorzeigeeinrichtung mit vielen vorbildlichen Projekten zur Integration“, lobte der Bundesvorstand. Erfahrungen aus Hanau flössen deshalb auch in die bundesweite Flüchtlingsarbeit der Johanniter mit ein. Deshalb hätten sich Vertreter der JUH aus dem gesamten Bundesgebiet im Frühjahr diesen Jahres auch hier getroffen, um sich selber ein Bild von den Konzepten zu machen. „Ihre innovativen Ideen haben sich längst auch bis Berlin herumgesprochen“, bemerkte Lüssem. Für die Hanauer Johanniter war der hochrangige Besuch eine besondere Ehre und eine Anerkennung zum 60. Geburtstag, denn erstmals in der Geschichte des Regionalverbands war ein Bundesvorstand in die Geburtsstadt der Brüder Grimm gekommen.

Da traf es sich bestens, dass Lüssems Besuch genau mit einem weiteren Meilenstein in den Integrationsbemühungen der JUH zusammenfiel: In der ehemaligen „Elementary School“, die die Hessische Erstaufnahmeeinrichtung für Bildung, Betreuung, medizinische Versorgung und Verwaltung nutzt, wurden zwei Werkräume eröffnet. In diesen soll den Geflüchteten künftig auch handwerkliche Bildung ermöglicht werden. Nähen, Basteln oder Arbeiten mit Holz und Metall seien eine sehr sinnvolle Ergänzung der vielfältigen sonstigen Bildungsmöglichkeiten, die die Johanniter in Hanau anböten, bemerkte Lüssem. Er bedankte sich ausdrücklich bei den Hanauer Service-Clubs, die dieses Projekt mit ihrer finanziellen Unterstützung erst ermöglich hatten. Die 13 Hanauer Service-Clubs hatten im vergangenen Jahr unter dem Motto „Gemeinsam für Hanau“ auf dem Weihnachtsmarkt Suppe verkauft und dadurch – ergänzt um weitere Spendengelder – 20.000 Euro generiert. Diese Summe stellten sie für die Einrichtung der Werkräume zur Verfügung.

Der Bundesvorstand konnte so auch hautnah miterleben, was das Besondere an der Flüchtlingsarbeit in Hanau ist – nämlich die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten über die Zuständigkeitsgrenzen hinweg. So haben die Johanniter mehrere Projekte realisiert, bei denen Flüchtlinge aus der Landeserstaufnahmeeinrichtung mit Flüchtlingen aus der kommunalen Gemeinschaftsunterkunft der Stadt Hanau gemeinschaftlich lernen, spielen oder Sport treiben. Auch Lehrer-, Raum- und Finanz-Ressourcen werden immer wieder gemeinsam genutzt. Die konzeptionelle Arbeit des Johanniter-Regionalverbands war 2016 mit drei Integrationspreisen der Stadt Hanau gewürdigt worden. „Hier wird im Sinne der Integration vorbildlich zusammengearbeitet – davon profitieren alle“, lobte auch der Leiter der Abteilung VII „Flüchtlingsangelegenheiten, Erstaufnahmeeinrichtung und Integration“ des Gießener Regierungspräsidiums, Ralf Stettner. „Das hohe Engagement der Johanniter ist absolut bemerkenswert. Und wir übernehmen sehr gerne viele Projekte aus Hanau in unsere anderen Erstaufnahmeeinrichtungen.“

Ein Markenzeichen der Arbeit des RV ist insbesondere die Schulung der Sprachkompetenzen. Lüssem zeigte sich sichtlich angetan von den Ausführungen des Projektkoordinators Dr. Benjamin Bieber, der betonte, dass es in Hanau von Beginn darum gegangen sei, frühzeitig sinnvolle Angebote in diesem Bereich zu machen – und zwar unabhängig von der Herkunft. „Wir wollen niemanden zurücklassen. Wir wollen jedem ein passendes Bildungsangebot machen“, berichtete Bieber beim Rundgang durch die Einrichtung. Lüssem ließ sich dabei auch in direkten Gesprächen mit einigen der rund 60 in der Einrichtung beschäftigten Johanniter erläutern, wie sich das Aufgabenfeld und die Rahmenbedingungen seit der Inbetriebnahme im Oktober 2015 verändert haben. So erfuhr er auch, dass eine der von den Johannitern beschäftigten Lehrerinnen, die bereits vor mehr als 25 Jahren aus Afghanistan nach Deutschland geflohen ist, in einem ihrer Kurse in der Erstaufnahmeeinrichtung plötzlich auf eine junge Frau traf, die sie Anfang der 80er Jahre bereits in Kabul unterrichtet hatte – eine Zufallsgeschichte, wie sie nur das Leben schreiben kann.

Lüssem erfuhr bei seinem Rundgang auch, dass sich neben den hauptamtlichen Kräften auch viele Ehrenamtler der Johanniter seit mehr als zwei Jahren in der Erstaufnahme engagieren. „Den Einsatz der vielen freiwilligen Kräfte kann man gar nicht mehr in Stunden beziffern – er ist herausragend, auch in der Kontinuität“, berichtete Regionalverstand Sven Holzschuh. Er berichtete seinem Bundesvorstand unter anderem, dass die Kleiderkammer seit Eröffnung der Einrichtung bis heute ausschließlich von ehrenamtlichen Helfern betrieben werde. Freiwillige engagierten sich auch in Deutsch-Kursen, bei der Kinderbetreuung oder bei vielfältigen anderen Angeboten zur Freizeitgestaltung.

„Der Besuch von Herrn Lüssem ist eine große Anerkennung für die von allen Kollegen geleistete Arbeit – ob aus Hauptamt oder Ehrenamt“, bilanzierte Holzschuh. „Das kann uns stolz machen und wird Ansporn sein, unsere Bemühungen bei der Integration der Geflüchteten fortzusetzen.“ Der Bundesvorstand bescheinigte den Hanauer Johannitern „sehr viel Herzblut, das spürt man“. Er mahnte an die anwesenden Landesvertreter deshalb auch, dass die Qualität in der Betreuung bei anstehenden Ausschreibungen auch eine gewichtige Rolle spielen müsse. „Wir sollten nie vergessen, dass es hier um Menschen geht. Und die sollten nach den vielen schrecklichen Erfahrungen, die sie zur Flucht veranlasst haben, gut ausgebildete und verlässliche Ansprechpartner vorfinden. An der Betreuung zu sparen, wäre der falsche Weg“, so Lüssem.