Werbung für die Feuerwehr durch die Brille von Migranten

Die interkulturelle Öffnung der Feuerwehr Hanau ist als Zukunftsaufgabe gesetzt. „In jeder Stadtteilfeuerwehr gibt es einen Verantwortlichen, der das Thema in die Mannschaft trägt“, sagt Brandschutzchef Peter Hack. „Wir suchen nach neuen Wegen, um noch mehr Migranten für das Ehrenamt Feuerwehr zu interessieren.“ Als Mittler zwischen den Kulturen konnte der Ausländerbeirat gewonnen werden. Werbung für die Feuerwehr kann nur gelingen, davon ist Hack überzeugt, „wenn wir Migranten in den Prozess einbeziehen und ihre Sicht auf die Feuerwehr berücksichtigen“.

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Die Vielfalt der Hanauer Stadtgesellschaft spiegelt sich bislang noch nicht in der Freiwilligen Feuerwehr wider. „Das wollen wir ändern und zwar gemeinsam mit unseren Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationshintergrund“, betont Oberbürgermeister Claus Kaminsky. Er begrüßt die Bereitschaft des Ausländerbeirats, sich in dem vom Land Hessen über das WIR-Programm geförderte Projekt einzubringen. „Wir brauchen die Kompetenzen aus verschiedenen Kulturen, damit der Prozess der interkulturellen Öffnung Erfolg hat und sich auch Menschen mit ausländischen Wurzeln vom Ehrenamt Feuerwehr angesprochen fühlen.“ Mustafa Kaynak, Derya Sönmez und Esra Yavuz, die den Ausländerbeirat in der Arbeitsgruppe der Feuerwehr vertreten, wollen mit ihrem Kulturverständnis dazu beitragen, Zuwanderern und deren Nachkommen die Möglichkeiten aufzuzeigen, die ihnen die Feuerwehr bietet, um sich in ihrem sozialen Umfeld zu engagieren. „In anderen Ländern ist der Aufbau des Brandschutz- und Hilfeleistungssystems teilweise ganz anders als hierzulande“, gibt Mustafa Kaynak zu bedenken. „ Das hohe Vertrauen, das der Feuerwehr in Deutschland entgegengebracht wird, ist dort nicht selbstverständlich.“ Migranten müssten das System Feuerwehr noch besser kennenlernen, um für sich die Chancen dieses verantwortungsvollen Ehrenamts zu entdecken.

In der Einsatzabteilung der Hanauer Feuerwehr haben fünf Prozent der Männer und Frauen einen Migrationshintergrund, in der Stadt ist der Anteil an der Gesamtbevölkerung ungleich höher. „Mit der Öffnung der Feuerwehr für Migranten leiten wir einen Kulturwandel ein, der Parallelen hat zu dem vor 25, 30 Jahren, als Frauen Zugang zur Feuerwehr verlangten“, meint Peter Hack. Damals wie heute ist es nach seiner Einschätzung „unabdingbar, dass die Mannschaft dabei mitgenommen und für den neuen Weg sensibilisiert wird“.

Schulungen in interkultureller Kompetenz seien ein Instrument dafür. Zwei Seminare haben 2016 bei der Hanauer Feuerwehr stattgefunden. Geleitet wurden sie von Alexander Scheitza vom Kölner Institut für interkulturelle Kompetenz (kiik), das bundesweit Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste schult. Durch ihre Einsätze verfüge die Feuerwehr Hanau über reichhaltige Erfahrungen im Umgang mit anderen Menschen und Kulturen“, betont Markus Doose, der stellvertretende Brandschutzchef und Begleiter des Projekts in Hanau. „Das ist ein Potenzial, das wir in den interkulturellen Schulungen weiterentwickeln.“ Die Hanauer Feuerwehr sei „kulturell offen“, versichert sein Kollege Peter Hack. „Im Gegenzug erwarten wir aber auch von Migranten mit Interesse für die Feuerwehr, dass sie sich an unseren Spielregeln orientieren“.

Ihr erlerntes interkulturelles Basiswissen setzen Arbeitsgruppen in diesem Jahr in der Praxis um. Das Werbematerial der Feuerwehr Hanau soll neu aufgelegt, der Internetauftritt modifiziert werden. „Interkulturalität ist eine Querschnittsaufgabe“, erklärt Peter Hack. „Das berücksichtigen wir bei der Werbung für unser Ehrenamt.“ Dazu gehöre auch die verstärkte Nutzung von neuen Medien, beispielsweise auf Youtube. Geplant ist ein Imagefilm für die Jugendfeuerwehr. In dieser Abteilung mit mehr als 100 Elf- bis 17-Jährigen haben 20 Prozent ausländische Wurzeln. „Aus für uns bislang nicht nachvollziehbaren Gründen wechseln sie mit 18 Jahren nicht in die Einsatzabteilung“, bedauert Markus Doose. Von ihren deutschen Altersgenossen sind es rund 80 Prozent „Wir müssen die Eltern der Jugendlichen mit Migrationshintergrund viel stärken einbinden und Vertrauensarbeit leisten, als wir das bisher getan haben“. Auch das eine Erkenntnis aus den interkulturellen Seminaren.