Integration als Teil der Stadtentwicklung: Hanau bewirbt sich erfolgreich um Aufnahme in Bundes-Förderprogramm

„Ankunftsstadt Hanau – Quartiere gemeinsam gestalten“, lautet die Überschrift eines Konzepts, mit dem sich die Stadt Hanau in Kooperation mit der NH ProjektStadt um die Aufnahme in das Förderprogramm „Stadtentwicklung und Migration“ der Nationalen Stadtentwicklungspolitik beworben hat. Als eine von bundesweit zehn Städten ist Hanau nun ausgewählt worden, an der Diskussion und Erprobung von modellhaften Konzepten mitzuwirken. In den kommenden drei Jahren wird es darum gehen, zu beleuchten, wie sich die Integration von Migranten und Asylsuchenden auf die Stadtentwicklung auswirken wird – und wie sich die Städte für diese Aufgabe rüsten können. Eine Delegation des Fördermittelgebers (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit) besuchte jetzt die Brüder-Grimm-Stadt und ließ sich vor Ort darüber informieren, wie sich Hanau in den vergangenen Monaten als Ankunftsstadt für Flüchtlinge aufgestellt hat. Außerdem wurde der erste bundesweite Erfahrungsaustausch vorbereitet, bei dem sich Mitte Mai Vertreter aus allen zehn teilnehmenden Kommunen in Hanau treffen werden.

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„Wir freuen uns sehr darüber, dass Hanau in das Förderprogramm aufgenommen worden ist“, erklärte Stadtrat Axel Weiss-Thiel bei der Begrüßung der Gäste. Diese fand in den Räumen der ehemaligen Sportsfield Elementary School statt – ein symbolischer Ort, denn die ehemalige Schule steht sinnbildlich dafür, dass Hanau bei der Betreuung der Schutzsuchenden neue Wege geht. Die Elementary School befindet sich auf jenem Teil von Sportsfield Housing, der dem Land Hessen als Erstaufnahmeeinrichtung dient. Da diese unmittelbar an die Gemeinschaftsunterkunft grenzt, in der die Stadt Hanau die ihr zugewiesenen Asylsuchenden unterbringt, sind in den vergangenen Monaten vielfältige Kooperationen zwischen Land und Stadt aufgebaut worden, die inzwischen als vorbildlich gelobt werden.

„Die Zusammenarbeit mit der Stadt läuft seit dem ersten Tag reibungslos und unkompliziert“, betonte Carsten Huppmann vom Regierungspräsidium Gießen, das für den Betrieb der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtungen verantwortlich zeichnet. Er lobte dabei insbesondere Dr. Benjamin Bieber von der Johanniter-Unfall-Hilfe Hanau & Main-Kinzig, die als Dienstleister des Regierungspräsidiums fungiert. Bieber ist Projektkoordinator der Johanniter und Motor in der Zusammenarbeit mit der Stadt. Neben der Öffnung der Schulräume für Deutsch- und Integrationskurse der VHS Hanau hat er sich auch für gemeinsame Projekte in den Bereichen Sport und Kinderbetreuung stark gemacht. „Die Zusammenarbeit zwischen Regierungspräsidium Gießen, den Johannitern und der Stadt Hanau kann im Sinne der Integration sicherlich als beispielhaft bezeichnet werden“, meinte Weiss-Thiel.

Genau solche Konzepte, die als Blaupausen für andere Städten in Deutschland dienen können, werden auch von der Nationalen Stadtentwicklungspolitik gesucht. Die Nationale Stadtentwicklungspolitik ist eine Initiative mehrerer öffentlicher Institutionen zu den Zielen und Arbeitsweisen der Stadtentwicklung in Deutschland. Ihr Ziel ist es, die Städte und Regionen in Deutschland zu stärken. Dazu sind verschiedene Handlungsfelder definiert worden, in denen Förderung und Diskussionen zusammengeführt werden sollen. Im aktuellen Projekt sollen innovative Stadtentwicklungskonzepte erarbeitet werden, die ein Leitbild der Integration und eine Konzeption für dessen räumliche Umsetzung beinhalten. „In künftigen Integrationskonzepten wird das städtebauliche Denken verankert sein müssen“, meinte Weiss-Thiel. „Wir wollen nicht warten bis die Probleme da sind, sondern sie durch Stadtentwicklung und Integrationsprozesse vorausschauend lösen“, so der Stadtrat.

Die NH ProjektStadt wird im Auftrag der Stadt Hanau in den kommenden Monaten eine städtebauliche Analyse durchführen, die Konversionspotenziale untersuchen und ein Konzept entwickeln. „Wir wollen, dass die Flüchtlinge, die bei uns in Deutschland bleiben dürfen, ein Teil der Stadtgesellschaft werden und hier Zukunftschancen haben. Dabei spielen die Themen Wohnen und Lebensumfeld natürlich eine wichtige Rolle“, so der Stadtrat.