Von der Unterbringung zur Integration: Runder Tisch Asyl beschäftigt sich mit aktuellen Entwicklungen

„Von der Flüchtlingsunterbringung zur Integration“ – unter diesem Leitgedanken stand der „Runde Tisch Asyl“, der sich dieser Tage im Bürgerhaus Wolfgang getroffen hatte, um aktuelle Entwicklungen zu reflektieren und die nächsten Schritte zu beleuchten. Dabei galt ein besonderes Augenmerk der Zusammenführung und Vernetzung der verschiedenen Akteure, die sich derzeit in der Flüchtlingsunterbringung und -betreuung engagieren, mit den Menschen und Institutionen, die in Hanau schon seit Jahren mit der Integration von Zuwanderern in Hanau Erfahrung haben.

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Zur Einführung gab es zu nächst einen kurzen Blick über den aktuellen Sachstand und in die Statistik durch den Leiter der Stabsstelle Asyl, Uwe Triebel: Derzeit leben insgesamt 1.266 Geflüchtete in Hanau in städtischer Unterbringung, davon 848 Menschen in der zentralen Einrichtung auf Sportsfield und 418 dezentral im gesamten Stadtgebiet. Nach wie vor, so unterstrich Stadtrat Axel Weiss-Thiel, sei die dezentrale Unterbringung der Geflüchteten ein erklärtes Ziel der Stadt, doch man stoße hier an Grenzen, die der Wohnungsmarkt setze. Rund 40 Prozent der in Hanau lebenden Flüchtlinge kommen aus Afghanistan und 25 Prozent aus Syrien. Der Anteil der Menschen aus Somalia, Eritrea, Irak, Pakistan und Iran liegen jeweils zwischen 3 und 7 Prozent.

Zu ihrer Begleitung und Betreuung gibt es derzeit an städtischen bzw. von der Stadt bezuschussten Anlaufstellen neben dem Koordinationsbüro, das auch für die interne und externe Kommunikation zuständig ist, einen vom Eigenbetrieb Hanau Kindertagesbetreuung geführten Kindergarten, das Belegungs- und Wohnungsmanagement sowie in Kooperation mit dem Internationalen Bund ein Sozial- und Konfliktmanagement, das durch Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter vor Ort organisiert wird.

Wie der Sozialdezernent weiter ausführte, bestehen parallel dazu innerhalb der Verwaltung Strukturen, die sich ebenfalls mit der Integration von Menschen mit nichtdeutschen Wurzeln beschäftigen. Diese zwei Welten, die nebeneinander ähnliche Ziele verfolgen, sollen nach den Vorstellungen der Verantwortlichen schrittweise zusammengeführt werden, um künftig voneinander profitieren und durch die Zusammenarbeit auch Synergien zu nutzen. Die Ausweitung des Landesprogramms WIR (=Wegweisende Integrationsansätze realisieren) eröffne der Stadt Hanau jetzt die Chance, so Weiss-Thiel, unter dem Motto „WIR für alle“ künftig die Arbeit aller Beteiligten unter einem Dach zusammenzuführen. „Angefangen bei der Kinderbetreuung und der Freiwilligenarbeit über die Volkshochschule Hanau und der Stabsstelle Asyl bis hin zum Amt für Integration und Inklusion sollen künftig alle Maßnahmen und Projekte in eine sogenannte Integrationskette eingefügt werden, die nicht mehr unterscheidet zwischen Geflüchteten und Migranten. Im Fokus unserer Arbeit steht künftig weniger die Erstversorgung als vielmehr der Zugang zur Teilhabe an der städtischen Gesellschaft.“ Mit der Ausweitung des WIR-Landesprogramms sollte es auch möglich sein, die zahlreichen ehrenamtlich tätigen Helfer stärker zu unterstützen und gleichzeitig Migranten selbst für die ehrenamtliche Arbeit zu gewinnen.

Ein wesentlicher Teil der Integrationsarbeit wird aber auch von anderen staatlichen Stellen unterstützt und geleistet, mit denen es sich gilt weiterhin gut abzustimmen. Zu diesem Zweck waren beim Runden Tisch auch die Geschäftsführerin der Hanauer Arbeitsagentur, Heike Hengster, sowie Erika Kollmann für das Kommunale Center für Arbeit des Main-Kinzig-Kreises mit Vorträgen beim Runden Tisch vertreten, um über die aktuellen Möglichkeiten und Anforderungen der Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen zu berichten. Deutlich wurde dabei, dass noch auf Jahre hinaus erhebliche Anstrengungen der Aufnahmegesellschaft wie auch der Flüchtlinge erbracht werden müssen, damit diese den Qualifikationsanforderungen des deutschen Arbeitsmarktes entsprechen können. Der Erwerb der deutschen Sprache sei dabei der unverzichtbare Schlüssel, waren sich die beiden einig.

Welche Angebote dafür inzwischen bereits gemacht werden, zeigten die Leiterin der städtischen Volkshochschule, Elke Hohmann, sowie die beiden Dezernenten des Staatlichen Schulamtes, Ludwig Borowik und Günter Rau, auf. Gerade hier wurde deutlich, dass die Anstrengungen nicht nur den Hanauer Flüchtlingen gelten, sondern auch den zahlreichen Zuwanderern aus anderen - insbesondere europäischen – Staaten. Diese Arbeit müsse insgesamt in der Hanauer Region auch weiterhin auf hohem Niveau fortgesetzt und weiter ausgebaut werden.

„Wir können als Stadt Hanau nicht den hervorragenden Einsatz der vielen Ehrenamtlichen ersetzen oder die Angelegenheiten der beteiligten staatlichen Stellen übernehmen, aber wir werden diese Arbeit in unseren eigenen Aufgabenfeldern zuverlässig ergänzen und eine Plattform bieten, damit die verschiedenen Akteure gut zusammenarbeiten können“, beschreibt Stadtrat Axel Weiss-Thiel die Rolle der Stadt in diesem Prozess.