Johanniter aus dem gesamten Bundesgebiet diskutieren in Hanau über Integrationskonzepte

„Die Integration der geflüchteten Menschen wird uns noch Jahre beschäftigen.“ Mit diesen nachdrücklichen Worten gab Stefan Sydow, Abteilungsleiter Asyl im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration, die Marschrichtung für den Fachtag „Flüchtlingshilfe und Integration“ der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. vor. Rund 60 Johanniter aus dem gesamten Bundesgebiet trafen sich in der Erstaufnahmeeinrichtung in Hanau, um zwei Tage lang über Konzepte zur Integration zu diskutieren.

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Dass sie in Hanau einen reichhaltigen Schatz an Erfahrungen vorfinden, verdeutlichte Sydow in seinem Grußwort. Er lobte die Arbeit, die der Regionalverband Hanau & Main-Kinzig in der Erstaufnahmeeinrichtung leiste. Er betonte dabei, dass bei der Integration vor allem Netzwerke und Zusammenarbeit gefragt seien – und in Hanau lebe man dieses Zusammenspiel in der Kooperation zwischen Land und Stadt bereits seit Monaten vorbildlich. „Das ist toll, wie hier Brücken zwischen der Erstaufnahme und der Kommune gebaut werden“, sagte Sydow.

Lobende Worte für die Zusammenarbeit gab es auch von Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky, der die Johanniter herzlich begrüßte. Er bestätigte, dass die Kooperation hervorragend laufe. Natürlich sei die räumliche Nähe zwischen der Landeseinrichtung und der Gemeinschaftsunterkunft der Stadt Hanau – beide befinden sich auf dem ehemals von den US-Streitkräften genutzten Sportsfield-Housing-Areal und sind nur durch einen Zaun voneinander getrennt – dabei ein großer Vorteil. Ausschlaggebend seien aber die Menschen, die diese Zusammenarbeit leben müssten – und das funktioniere mit den Johannitern vorbildlich.

Neben gemeinsamen Sprachkursen in der ehemaligen Elementary School finden diverse Kooperationsprojekte statt, die alle eines zum Ziel haben: die geflüchteten Menschen mit dem Leben in Deutschland vertraut zu machen und sie schnellstmöglich zu integrieren. „Dabei können unserer Meinung nach der Status und die Frage, wo derjenige untergebracht ist, keine Rolle spielen“, erklärte Dr. Benjamin Bieber von den Johannitern, der Motor in der Zusammenarbeit zwischen Stadt und Land ist. Gemeinsame Feste, gemeinsame Sportangebote, gemeinsame Angebote für Kinder – die Liste der Kooperationsprojekte ist lang.

Ein klares Plädoyer dafür, dass sie in Zukunft noch länger werden kann, gab Kaminsky in seinem Grußwort ab. Er habe zwar Verständnis dafür, dass bei Ausschreibungen auch der finanzielle Aspekt eine Rolle spielen müsse, er erwarte aber, dass die Erfahrung in der Flüchtlingsarbeit diesem „mindestens auf Augenhöhe begegnet“. Für die Stadt Hanau sei es nämlich unabdingbar, dass sie wisse, mit wem sie es beim Betrieb der Erstaufnahme zu tun habe. Und die Johanniter hätten von Beginn an hervorragende Arbeit geleistet und maßgeblich dazu beigetragen, dass der soziale Frieden in Hanau gewahrt werden konnte. Kaminsky appellierte an die Hessische Landesregierung, dies entsprechend zu würdigen. In Wiesbaden ist diese Nachricht angekommen. Stefan Sydow versprach, dass die „Erfahrung in der Flüchtlingsarbeit bei den Ausschreibungen selbstverständlich nicht außer Acht gelassen wird“. Das Land wisse, auf wen es sich in der Krise habe verlassen können und wer bis heute tatkräftig dabei helfe, den geflüchteten Menschen ein sicheres Leben zu ermöglichen. „Das werden wir nicht vergessen“, sagte Sydow.

Peter Kaimer, Vorstand des Landesverbandes Hessen/Rheinland-Pfalz/Saar, wird das gerne gehört haben. Er eröffnete die Fachtagung, zu der Sozialarbeiter der Johanniter aus allen neun Landesverbänden gekommen waren. Kaimer strich heraus, wie wichtig der gemeinsame Austausch innerhalb der Johanniter bundesweit sei, da man hier auf einen sehr großen Erfahrungsschatz zurückgreifen könne. Aber auch der Austausch zwischen dem Land, der Kommune und den Johannitern sei immens wichtig, um einen guten Betrieb zu ermöglichen. Und auch in diesen Punkten seien die Johanniter gut aufgestellt, die Kommunikation mit dem Land und der Stadt Hanau funktioniere sehr gut.

Die Teilnehmer diskutierten nicht nur über Integration im Allgemeinen, sondern beschäftigten sich auch mit speziellen Themen, etwa mit Flüchtlingen mit unsicherer Bleibeperspektive beziehungsweise abgelehntem Asylantrag. Darüber hinaus ging es um die Betreuung von unbegleiteten jungen Erwachsenen, sowie um Sozialarbeit mit Flüchtlingen, die Suchtprobleme haben. Nicht zuletzt beschäftigte sich eine Arbeitsgruppe mit der Frage, wie man Radikalisierung erkennen kann und wie man mit ihr umgeht.

„Wenngleich die Flüchtlingskrise in der Öffentlichkeit ein wenig in den Hintergrund gerückt ist, so wird die Integration der Flüchtlinge die Bevölkerung genauso wie die Hilfsorganisationen noch Jahre beschäftigen“, bilanzierte Bieber. Die Tagung habe einmal mehr gezeigt, wie professionell und routiniert im Hintergrund daran gearbeitet werde, die gesellschaftliche Einbindung hunderttausender geflüchteter Menschen zu bewerkstelligen.