30 Fachleute aus dem Bundesgebiet diskutieren in Hanau das Thema „Stadtentwicklung und Migration“

Wie verändert Migration die Stadtentwicklung? Unter dieser Fragestellung haben sich in Hanau rund 30 Fachleute aus dem gesamten Bundesgebiet getroffen. Auf Einladung der Initiative „Nationale Stadtentwicklungspolitik“ trafen sich Vertreter von jenen zehn Kommunen im Brockenhaus, die für das Projekt „Stadtentwicklung und Migration“ ausgewählt worden sind. Auch die Stadt Hanau gehört dazu. „Und das freut uns sehr, denn Hanau ist damit zum ersten Mal Projektstandort der ‚Nationalen Stadtentwicklungspolitik‘“, so Martin Bieberle, Leiter des Fachbereichs Planen, Bauen & Umwelt.

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Bieberle begrüßte die Gäste zum Auftakt des zweitägigen Erfahrungstausches und verwies auf die zahlreichen Erfahrungen, die Hanau bei der Integration schon gesammelt habe. Ob die calvinistischen Religionsflüchtlinge im Mittelalter, die vielen Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg oder die Gastarbeiter aus der Türkei, aus Italien oder aus Spanien in den 60er-Jahren – sie alle hätten Hanau mitgeprägt. „Multikulti ist in Hanau eingeübt“, begründete Bieberle, warum sich Hanau unter der Überschrift „Arrival Hanau – Ankommen in der Metropolregion“ für das Projekt beworben habe.

Die „Nationale Stadtentwicklungspolitik“ ist eine Initiative mehrerer öffentlicher Institutionen. Ihr Ziel ist es, die Städte und Regionen in Deutschland zu stärken. Dazu sind verschiedene Handlungsfelder definiert worden, in denen Förderung und Diskussionen zusammengeführt werden sollen. Im aktuellen Projekt unter Überschrift „Stadtentwicklung und Migration“ sollen innovative Stadtentwicklungskonzepte erarbeitet werden, die ein Leitbild der Integration und eine Konzeption für dessen räumliche Umsetzung beinhalten. Zehn Projekte sind dafür ausgewählt worden, die in den kommenden drei Jahren modellhafte Konzepte entwickeln sollen.

„Hanau hat als Ankunftsstadt eine große Tradition“, erläuterte Bieberle und verwies auch auf die amerikanischen Soldaten, für die Hanau jahrelang der Ankunftsort in Europa gewesen sei. Wie aus den bislang militärisch genutzten Flächen lebendige Orte des Ankommens für Geflüchtete, andere Zuwanderergruppen und die Stadtgesellschaft gemacht werden könnten, ist eine der Fragestellungen, die nun diskutiert werden soll. In Zusammenarbeit mit der „NH ProjektStadt“ möchte die Stadt mit Partnern aus Wirtschaft, Kultur und Zivilgesellschaft ein integriertes Handlungskonzept für die „Ankunftsstadt“ erarbeiten. Dabei sollen die in Hanau lebenden Geflüchteten genauso eingebunden werden wie die „alte Nachbarschaft“.

Zu Beginn wird eine städtebauliche Analyse vorgenommen, dabei werden auch die vorhandenen Konversionspotentiale untersucht. Die Analyse und die Weiterentwicklung lokaler Netzwerke sowie die Einbeziehung der Bürger vor Ort stellen weitere wichtige Bestandteile des Konzepts dar. So soll ein Umsetzungskonzept entstehen, aus dem sich spezifische Handlungsfelder und Maßnahmen für die Entwicklung der „Ankunftsstadt“ ableiten lassen. Ziel ist es zudem, erfolgreiche Bausteine auf andere Orte der Region zu übertragen.

Vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), das die Fördermittel bereitstellt und alle zehn ausgewählten Projekte begleitet, sind die in Hanau ergriffenen Maßnahmen bereits bei einem Besuch im März positiv aufgenommen worden. Vor allem die Zusammenarbeit zwischen dem Land Hessen mit seiner Erstaufnahmeeinrichtung und der Stadt Hanau mit der angrenzenden Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge wurde gelobt. „Sie sind in Hanau auf einem sehr guten Weg“, bestätigte Stephan Willinger vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR).

Neben Hanau präsentierten bei dem zweitägigen Erfahrungsaustausch unter anderem Kaiserslautern („Integration findet Stadt“), Leipzig („Integration durch Initiativmanagement“), Tübingen („Nachbarschaft und Vielfalt: Strategische Wohnraumentwicklung für Geflüchtete“) und Saarbrücken („PatchWorkCity – Saarbrücken entwickelt Vielfalt“) ihre Konzepte. Außerdem diskutierten die Teilnehmer über die Fragen „Welche Anforderungen werden an die Verwaltung einer Ankunftsstadt gestellt?“ und „Wie kann ein Dialog mit der Stadtgesellschaft gestaltet werden?“. „Das Thema Integration hat uns in der Stadtentwicklung schon vor dem großen Flüchtlings-Andrang beschäftigt – und es wird uns auch noch lange erhalten bleiben“, erklärte Tilman Buchholz vom zuständigen Bundesministerium.