Kleidersammlung für bedürftige Menschenin Hanau

Mehrere hunderttausend Tonnen Altkleidung werden hierzulande im Jahr weggeworfen. Nur 20 Prozent davon laden in Sammelcontainern. Der große Rest wird über den Hausmüll dem Wiederverwerten entzogen. Die Sammelquote in der Brüder-Grimm-Stadt zu steigern und das Sammelgut einem gemeinnützigen Zweck zuzuführen ist Ziel des städtischen Eigenbetriebs Hanau Infrastruktur Service (HIS), dererstmals Container auf dem Betriebshof in der Daimlerstraße 5 aufgestellt hat. Außerdem sammelt die Johanniter-Unfall-Hilfe jetzt auch direkt an der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung Kleidung für Flüchtlinge.

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„Wir helfen seriösen Wohlfahrtsverbänden und die wiederum den benachteiligten Menschen. Wir schonen die Umwelt und bieten die Chance, bei der Fahrt zum städtischen Wertstoffhof gebrauchte Kleidung, Decken und Schuhe gleich sinnvoll mit zu entsorgen“, umreißt Bürgermeister Axel Weiss-Thiel die Strategie von HIS. Gleich am Eingang des Wertstoffhofs haben die örtliche Johanniter-Unfallhilfe, Malter-Hilfsdienst und DRK jeweils einen Sammelcontainer für gebrauchte Kleidung, Bett- und Haushaltswäsche in Säcken sowie zusammengebundene Schuhpaare aufgestellt. Die Verbände leeren ihre Behälter regelmäßig und sortieren bei sich den eingeworfenen Inhalt. Dabei entscheiden sie, was für Obdachlose, Flüchtlinge oder andere Bedürftige passt und was in ihre Second-Hand-Läden gelangt. Etwa fünf Prozent wird zur weiteren Verwertung weiter verkauft, beispielsweise für neue Ware oder für Industrie-Putztücher.

Aus dem Verkauf von Altkleidern finanzieren die drei Hilfsorganisationen soziale Projekte. Beispiele dafür nennen Sven Holzschuh von den Johannitern, Sabine Kroh von den Maltesern und Benjamin Heier bei der offiziellen Inbetriebnahme der Sammelcontainer: Krankenfahrten, Erste-Hilfe-Kurse, warme Mahlzeiten für Kinder und Jugendliche, Trauerbegleitung für Kinder, Besuchsdienste für Ältere, Demenzbetreuungen. Daniela Münzing, städtische Abfallberaterin bei HIS, erhält aus der Bürgerschaft immer wieder Anrufe mit der Frage, wie sich Altkleider in Hanau sinnvoll verwerten ließen. Nun kann HIS „guten Gewissens“, so Betriebsleiter Markus Henrich, auf die Sammlung der drei gemeinnützigen Verbände hinweisen, mit denen der städtische Eigenbetrieb Verträge geschlossen hat.

Die Johanniter-Unfall-Hilfe RV Hanau & Main-Kinzig hat im Stadtgebiet insgesamt vier Kleider-Container aufgestellt. „Das Besondere daran ist: Die gesamte dort eingeworfene Kleidung kommt den in Hanau untergebrachten Flüchtlingen zu Gute“, erläutert Regionalvorstand Sven Holzschuh. Zwei der frech beklebten Container stehen deshalb auch unmittelbar vor der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung auf Sportsfield Housing, für die die Johanniter als Dienstleister fungieren.

Bürgermeister Weiss-Thiel betont nicht nur den gemeinnützigen Zweck der Altkleidersammlung, sondern sieht darin auch einen Gewinn für die Umwelt. Denn diese Form der Kreislaufwirtschaft helfe, dass durch Wiederverwerten große Mengen an Wasser, Energie und Chemikalien bei der Textilproduktion gespart werden.

Allein in Hanau fallen nach HIS-Berechnung jährlich 674 Tonnen Altkleider an. Deren Spendenwert beträgt mehr als 300.000 Euro. „Solche Zahlen zeigen, dass wir die Sammlung nicht allein Privatunternehmen überlassen sollten“, findet Weiss-Thiel. Er appelliert an diejenigen, die privat Platz für Altkleider-Container anbieten, dabei gemeinnützige Hilfsorganisationen zu bevorzugen.