Senioren engagieren sich für Flüchtlinge: „Wichtiger gesellschaftspolitscher Beitrag“

Das Seniorenbüro der Stadt Hanau beteiligt sich seit Anfang 2016 an dem Projekt „Alt für Jung Patenschaften - Seniorenbüros unterstützen Geflüchtete“ im Rahmen des Bundesprogramms „Menschen stärken Menschen“. Dieses Projekt wird von der Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros an 20 Standorten in Deutschland durchgeführt. Auf Einladung der Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros und des Seniorenbüros Hanautrafen sich Vertreterinnen und Vertreter der Projektstandorte jetzt in Hanau, um wichtige Themen aus der Patenschaftsarbeit zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen.

⇲ Weiterlesen

Am ersten Tag des Treffens besuchten die Projektkoordinatorinnen und -koordinatoren die städtische Flüchtlingsunterkunft auf dem Sportsfield-Gelände in Wolfgang. Die Bewohnerinnen und Bewohner der Unterkunft und Barbara Heddendorp präsentierten den Gästen die Hochbeete und die speziell für den Tag gefertigten Sitzgelegenheiten aus Paletten. Die Patinnen und Paten Inge und Karl Paap, Renate Krüger und Gabriele Spehar hatten diese Projekte zusammen mit den Menschen vor Ort umgesetzt, konnten aber leider an diesem Tag nicht vor Ort sein.

Bei Kaffee, Tee und Kuchen kamen alle Beteiligten schnell ins Gespräch. Der ehrenamtliche Projekt-Pate Dr. Karl Heinz Leister informierten über die zahlreichen Angebote in der städtischen Unterkunft, die von engagierten Menschen freiwillig umgesetzt werden. Flüchtlingskoordinator Daniel Freimuth begleitete die Gäste über das Gelände und präsentierte eine Musterwohnung.

Die Vertreterinnen und Vertreter der Standorte zeigten sich begeistert über die Idee gemeinsam mit den Menschen Hochbeete zu bauen und zu bepflanzen sowie Sitzgelegenheiten aus Paletten zu fertigen. „Wir werden diese Anregungen gemeinsam mit den Menschen etwas herzustellen und ihre Fähigkeiten einzubinden mit nach Hause nehmen“, sagte Marita Gerwin aus Arnsberg, Fachstelle Zukunft Alter.

Zum Treffen am folgenden Tag im Brockenhaus begrüßte Gabriella Hinn, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros (BaS): „Es ist der Bundesarbeitsgemeinschaft ein Anliegen, bei der Umsetzung des Projektes insbesondere lebenserfahrene Menschen anzusprechen. Die langjährige Erfahrung der Seniorenbüros, ihre Expertise und ihr Fingerspitzengefühl haben sich sehr bewährt“, sagte Hinn. „Das Projekt Alt für Jung Patenschaften ist für uns als Bundesverband kein „normales“ Projekt, sondern zugleich ein wichtiger gesellschaftspolitscher Beitrag zu einem friedlichen und gleichberechtigten Zusammenleben in Vielfalt“, so Hinn weiter. Die BaS werde im Jahr der Bundestagswahl nicht nachlassen sich für die geflüchteten Menschen einzusetzen und mache sich mit den anderen bundesweiten Trägern für eine Fortsetzung und Aufstockung des Programms stark, so die Geschäftsführerin.

Bürgermeister Axel Weiss-Thiel spannte den Bogen von der Geschichte der Glaubensflüchtlinge in Hanau vor rund 400 Jahren bis zum Ankommen der geflüchteten Menschen in den letzten Jahren. Er betonte zudem das große Engagement der Menschen in Hanau und berichtete zum aktuellen Stand der Flüchtlingsarbeit in Hanau. „Migration in Hanau ist ein Thema von zentraler Bedeutung ist. Wir leben in einer Stadt, die geprägt ist von Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen. Ziel ist es geflüchtete Menschen in der Stadt zu integrieren und Migration gemeinsam zu leben. Integration heißt zusammenleben und nicht nebeneinander leben. Das ist eine Aufgabe aller Bürgerinnen und Bürger in Hanau mit dem Ziel Vielfalt als Chance zu sehen und zu leben“, so Weiss-Thiel.

Eine politische Einordnung nahm der Journalist und Autor Stephan Hebel mit seinem Beitrag „Missbrauchte Migration – wie AfD und Co. das politische Klima verändern“ vor. Seine Thesen wurden im Anschluss angeregt diskutiert.

In einem World-Café – moderiert von Michael Stegmann, dem Leiter des Hanauer Seniorenbüros - setzten sich die Teilnehmenden am Nachmittag mit den bislang erreichten Erfolgen und den anstehenden Aufgaben auseinander. Das Angebot zum Austausch wurde, trotz tropischer Temperaturen, intensiv genutzt. Fazit: Die gesellschaftliche Integration der Geflüchteten ist ein Langstreckenlauf… Abschließend wurden die Ergebnisse von Gabriella Hinn und Erik Rahn, der im Auftrag der Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros das Projekt begleitet, präsentiert.

Eine Tagungsdokumentation finden Interessierte auf der Homepage der BaS http://www.seniorenbueros.org/ Die Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros bedankte sich abschließend bei allen Gästen und beim Hanauer Seniorenbüro für die Unterstützung bei der Durchführung der Veranstaltung.