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Erste Diesterweg-Stipendien im Rahmen der Brüder-Grimm-Bildungsoffensive vergeben

Hanauer Kindern, die aufgrund ihrer familiären und sprachlichen Situation ihre Talente und Begabungen nicht vollständig ausschöpfen können, Unterstützung bieten – das ist das Ziel des Diesterweg-Stipendiums, das die Stadt Hanau im Rahmen der Brüder-Grimm-Bildungsoffensive ins Leben gerufen hat. Jetzt wurden die ersten elf Stipendiaten und ihre Familien im Roten Saal von Schloss Philippsruhe begrüßt.

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Nicolina aus Kroatien möchte Lehrerin werden, Farima aus Afghanistan möchte Polizistin werden und Gamila aus Somalia möchte Ärztin werden und Menschenleben retten. Alle drei Kinder sind aufgeweckte Viertklässler mit großen Träumen und Zielen - und sie gehen in Hanau zur Schule. Alle drei haben großes Potential. Damit sie dieses auch ausschöpfen und ihre Ziele verwirklichen können, wurde Anfang des Jahres die Brüder-Grimm-Bildungsoffensive mit dem Hanauer Diesterweg-Stipendium für Kinder und ihre Eltern ins Leben gerufen. Schirmherr ist Oberbürgermeister Claus Kaminsky.

Das Ziel des Diesterweg-Stipendiums basiert auf der Leitidee von Adolph Diesterweg, dem bedeutenden Frankfurter Pädagogen und Zeitgenossen der Brüder Grimm: „Jeder soll nach seiner Fähigkeit und Begabung (…) wenn es sein kann, in den Himmel wachsen.“ Diesterweg ist nicht nur Namenspatron des Bildungsstipendiums, sondern war auch Gründungsmitglied der Polytechnischen Gesellschaft e.V. in Frankfurt, deren jüngste Stiftung 2008 das Konzept von Deutschlands erstem Familienbildungsstipendium entwickelte.

Das Stipendium – finanziert durch Spenden und getragen von der Stadt und bürgerschaftlichem Engagement – soll Hanauer Kindern, die aufgrund ihrer familiären und sprachlichen Situation ihre Talente und Begabungen nicht vollständig ausschöpfen können, wegweisende Unterstützung bieten und Bildungsförderung eröffnen. „Damit diese Hanauer Kinder ihre Begabungen und sprachlichen Kompetenzen entfalten und weiterentwickeln können, sollen mit Hilfe des Diesterweg-Stipendiums nach Frankfurter Vorbild nicht nur sie, sondern auch ihre Eltern und Geschwister in besonderer Weise in ihrer Bildung und gesamten gesellschaftlichen Teilhabe gestärkt werden“, erläutert Hanaus Bürgermeister und Bildungsdezernent Axel Weiss-Thiel, der jetzt die ersten elf Stipendiaten und ihre Familien im Roten Saal von Schloss Philippsruhe begrüßte.

Die Mädchen und Jungen, die in den nächsten zwei Jahren vom Stipendium und der Bildungsoffensive profitieren werden, besuchen die vierte Klasse und stammen von sechs Hanauer Grundschulen mit besonders hohem Zuwandereranteil: Anne-Frank-Schule, Brüder-Grimm-Schule, Gebeschusschule, Robinsonschule, Heinrich-Heine-Schule und Pestalozzischule. Ihre Herkunftsländer sind Afghanistan, Syrien, Rumänien, Türkei, Somalia, Kosovo, Irak, Marokko und Kroatien. Vorgeschlagen wurden sie von ihren Klassenlehrerinnen und -lehrern, die in ihnen ein besonderes Potential entdeckt haben. Ein Gremium entschied ob das Stipendium zugeteilt wird.

„Zukünftig sollen noch mehr Kinder und Familien die Möglichkeit erhalten, vom Diesterweg-Stipendium im Rahmen der Brüder-Grimm-Bildungsoffensive zu profitieren“, versprach Bürgermeister Axel Weiss-Thiel. Ziel der Initiatoren sei es, diesen Teilnehmerkreis mit sicher zunehmendem finanziellem Engagement der Hanauer Stadtgesellschaft auf weitere Schulen auszudehnen. „Bereits jetzt profitieren ganze Schulklassen von der Brüder-Grimm-Bildungsoffensive der Stadt Hanau, denn auch sie erhalten die Möglichkeit - gemeinsam mit den Stipendiaten - außerschulische Lernorte zu besuchen“, erläuterte Weiss-Thiel.

„Das besondere am Diesterweg-Stipendium ist die Einbindung der Eltern und Geschwister. Sie bringt die integrationsstärkende Gelegenheit, diese Familien aus verschiedenen Kulturkreisen und Lebenszusammenhängen miteinander in Kontakt zu bringen und zugleich die Geschwister der Stipendiaten von Anfang an in die verschiedenen Familienaktivitäten einzubinden und dadurch ebenfalls zu fördern“, erläutert Anne-Dorothea Stübing, Vorsitzende des Präventionsrats und Vorsitzende des Ausschusses Kultur, Schule, Sport. Sie kreierte nicht nur den Begriff der Brüder-Grimm-Bildungsoffensive, sondern ist auch maßgeblich an der Konzeption und Umsetzung der Fördermaßnahme beteiligt.

Finanziert wird die Anfangsphase des Projekts durch die Berenbrok-Winterstein-Stiftung. Zu den Sponsoren zählt zudem der Lions Club Hanau Schloss Philippsruhe e.V., sowie die Service-Clubs der Stadt Hanau, die die Erlöse der diesjährigen Weihnachtsmarkt-Suppenküche für die Brüder-Grimm-Bildungsoffensive spenden wollen. „Wir hoffen auf weitere langfristige Unterstützung durch Stiftungen und Unternehmen vor Ort“, sagt Weiss-Thiel, „da wir beabsichtigen die Brüder-Grimm-Bildungsoffensive vorrangig als bürgerschaftlich finanziertes Projekt zu realisieren.

"Mit Hanau ist das Diesterweg-Stipendium in der vierten hessischen Stadt angekommen – in einer Stadt, die dank der Brüder Grimm und ihrer Verdienste geradezu prädestiniert für ein Familien- und Sprachstipendium ist. Durch den Einsatz des Hanauer Trägernetzwerks kann das Diesterweg-Stipendium nun an zehn deutschen Standorten angeboten werden, und bald werden wir bundesweit 1.500 Personen aufgenommen haben. Es macht mich glücklich zu sehen, wie sich das Projekt seit seiner Gründung verbreitet hat!", sagt Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, Vorsitzender des Vorstandes der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main.

Im Rahmen des Diesterweg-Stipendiums erhalten einzelne Schülerinnen und Schüler mit gutem Leistungspotenzial vielfältige Förderung vor dem Übergang von der 4. Klasse zur weiterführenden Schule. Die Förderung setzt sich in der ersten Phase des Besuchs der 5. Klasse fort und kann sich auch nach Bedarf – auf den weiteren Verlauf der 5. Klasse erstrecken.

Mögliche sprachliche, soziale, kulturelle oder familiäre Gründe sollen so keinen Hinderungsgrund mehr darstellen, dass die Kinder ihre Potenziale nicht entfalten können. Wissen und Kompetenzen der beteiligten Schülerinnen und Schüler sollen in besonderem Maße gefestigt und erweitert werden. Auch eine zusätzliche Unterstützung im Bereich von ‚Deutsch als Zweitsprache‘ ist vorgesehen. Zudem werden die Eltern und Geschwister der Stipendiaten mit ihren unterschiedlichen Ressourcen und Potenzialen in ein breitgefächertes Bildungsprogramm eingebunden und in ihren Kompetenzen gestärkt.

Eine Auswahlkommission bestehend aus Bürgermeister Axel Weiss-Thiel, Dr. Ingo Wiedemeier (Vorstandsvorsitzender Sparkasse Hanau), Anne-Dorothea Stübing (Vorsitzende Präventionsrat Hanau), Erika Ries (ehem. Leiterin Eichendorff-Schule), Andrea Knips-Profeld (Leiterin Jugendamt der Stadt Hanau) entschied darüber, welches Kind in das Programm aufgenommen wurde.

Eine Lenkungsgruppe kümmert sich um Organisation und Umsetzung der Maßnahmen. Zu ihr zählen Anne-Dorothea Stübing, Andrea Knips-Profeld, Matthias Skotnik (Sprungbrett e. V.), Judith Baumbach (Staatliches Schulamt), Andrea Pillmann (Koordinatorin ‚Kinderfreundliche Kommune Hanau‘ und Leiterin der Stabsstelle Prävention, Sicherheit und Sauberkeit), Frank Bornmann (Leiter des Schulverwaltungsamt Hanau) und die Projektleiterin der Brüder-Grimm-Bildungsoffensive, Cindy Gresselmeyer.