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Lernen wie man lernt: Offizielle Eröffnung der Lernwerkstatt im Kulturforum

"Die Lernwerkstatt bietet niedrigschwelligen Zugang zum Lernen insbesondere für Menschen, die ansonsten durchs Raster fallen", erklärt Bürgermeister Axel Weiss-Thiel, bei der offiziellen Eröffnung im Kulturforum am Freiheitsplatz. Der inhaltliche Schwerpunkt liege jetzt – in der Pilotphase des Projekts – auf die Themen ‚Deutsch lernen, Alphabetisierung und Grundbildung‘ und richte sich speziell an Menschen mit Migrationshintergrund. Grundsätzlich sei die Lernwerkstatt aber für alle interessierten Menschen offen.

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Seit rund vier Wochen gibt es die Lernwerkstatt – ein Projekt der Volkshochschule Hanau und der Stadtbibliothek – im ersten Stock des Kulturforums dort wo früher die Beratungsräume der Sparkasse Hanau untergebracht waren: Auf rund 100 Quadratmetern offenen Fläche laden Tische und Stühle zum Sitzen ein. Zumeist ehrenamtliche Lernbegleiter beraten zweimal pro Woche – mittwochs von 10.30 -13.30 Uhr und samstags von 14 bis 17 Uhr - Menschen, die etwas lernen wollen, aber nicht so richtig wissen, wie sie es angehen sollen. Sie geben Hinweise auf vorhandene Materialien, Bücher, Lernsoftware und Kursangebote oder schicken die Ratsuchenden weiter zur Bildungsberatung.

"Wir suchten schon seit langem nach einem geeigneten Platz, der zentral und leicht für alle zugängig ist und eine gute Verkehrsanbindung hat", berichtet Elke Hohmann, Leiterin der VHS Hanau, "darum waren wir sehr froh, dass die Sparkasse Hanau bereit war, uns diesen Platz hier zu überlassen. Er liegt perfekt als Schnittpunkt zwischen Innenstadt und Stadtbibliothek und hat viel Laufpublikum."

Die Lernwerkstatt versteht sich als ein Treffpunkt des Lernens, des Wissensaustauschs und der Kommunikation. Sie möchte die Hilfe zum Selbstlernen fördern und Handlungskompetenzen stärken. In der Lernwerkstatt können Interessierte alleine oder in kleinen Gruppen lernen und sich Lerninhalte mit Hilfe von verschiedenen Lernmaterialen selbst aneignen. Dabei werden sie von geschulten Lernbegleitern unterstützt. "Obwohl wir noch keine Werbung gemacht haben, ist die Lernwerkstatt gut besucht", berichtet Erika Scheider, die als Pädagogin die Lernbegleiter ausbildet und selbst Lernbegleitung macht. "Es kommen beispielsweise junge Menschen, die Probleme mit der deutschen Sprache haben, und bringen ihre Eltern mit, die oft wenig Deutsch sprechen. Wenn wir Glück haben gelingt es uns mit beiden ins Gespräch zu kommen und ein Angebot zu machen", erläutert sie.

Beate Schwartz-Simon Leiterin des Kulturforums sagt die Lernwerkstatt sei ein Baustein zwischen Bildungsberatung und Bibliothek. "In der Stadtbibliothek können wir Menschen zwar zum richtigen Regal führen, doch dort hören unsere Beratungsmöglichkeiten auf." Die Lernwerkstatt sei die organische Weiterentwicklung des Lernorts Stadtbibliothek, denn "hier erhalten die Menschen Beratung, wie sie sich die Inhalte der Bibliothek erschließen oder wohin sie sich wenden können, wenn sie mehr Hilfe benötigen."

"Die Zahl der Hanauerinnen und Hanauer ohne deutsche Staatsangehörigkeit ist seit 2009 stetig angestiegen. Die Zuwächse kommen aus Bulgarien, Rumänien, weiteren osteuropäischen Ländern aber auch Asien und Afrika. Dies stellt hohe qualitative Anforderungen an das Thema Integration", erklärte Bürgermeister Weiss-Thiel. "Der Erwerb der deutschen Sprache oder auch anderer berufsrelevante Kompetenzen und Qualifikationen bleiben bei einem Teil der Zugewanderten rudimentär oder werden gar nicht ausgebildet; viele Personen bewegen sich vornehmlich in ihren vertrauten Kulturkreisen; eine Integration in Gesellschaft und Arbeit wird entsprechend erschwert", erläuterte der Bürgermeister. Hier setze die Lernwerkstatt an: "Hier erreichen wir Menschen, die nicht Teil des Bildungssystems sind quasi ‚en passant‘ und geben ihnen die Möglichkeit zum Austausch", so Weiss-Thiel.